MARINO MARINI (1901-1980)
$55,000
Provenienz
Fondazione Marino Marini, PistoiaPrivatsammlung, erworben von oben genanntem, 2006
Sotheby's, New York, 14. November 2023, Los 117
Privatsammlung, erworben von oben genanntem
Literaturhinweise
Pierre Casè, Hrsg., Marino Marini, Mailand, 1999, S. 94, abgebildetDie chromatische Struktur ist kühn und instinktiv. Felder aus Violett, Koralle und Blau bilden einen strukturierten Hintergrund, vor dem sich das strahlende Weiß des Pferdes und die warmen Rot- und Orangetöne des Reiters mit dramatischer Klarheit behaupten. Marinis Verwendung von Tempera über Aquatinta ermöglicht es ihm, tonale Tiefe mit malerischer Unmittelbarkeit zu verbinden: Körnige Aquatinta-Passagen lösen sich in expressiven Farbstreifen auf, während lineare Akzente die Komposition gerade so weit stabilisieren, dass sie nicht ins Chaos abgleitet.
Wie in vielen seiner bedeutendsten Werke fungiert das Reitermotiv eher symbolisch als narrativ. Obwohl es vom Geist Shakespeares inspiriert ist, illustriert das Bild keinen bestimmten Text, sondern vermittelt die emotionale Intensität und existenzielle Unruhe, die mit tragischen Dramen verbunden sind. Marini beschrieb seine Pferde- und Reiterfiguren bekanntlich als Ausdruck moderner Ängste und erklärte: „Meine Reiterfiguren sind Symbole für die Qualen, die ich empfinde, wenn ich die aktuellen Ereignisse betrachte.“ Hier wird diese Angst durch die angespannte Geometrie, die instabile Balance und die drängende Bewegung der Formen deutlich spürbar. Der Druck ist ein überzeugender Beweis für Marinis Fähigkeit, seine Bildhauersprache in grafische Form zu übersetzen und mit Farbe und Gestik die Fragilität menschlicher Autorität und Kontrolle zu thematisieren.

