MARINO MARINI (1901-1980)
$55,000
Provenienz
Fondazione Marino Marini, PistoiaPrivatsammlung, erworben von oben genanntem, 2006
Sotheby's, New York, 14. November 2023, Los 115
Privatsammlung, erworben von oben genanntem
Obwohl der Titel auf Shakespeare verweist, ist die Verbindung eher thematischer als illustrativer Natur. Marini evoziert die emotionale Intensität und das existenzielle Drama, das mit Shakespeares Tragödien verbunden ist – Konflikt, Macht, Instabilität – durch dynamische Beziehungen statt durch narrative Details. Das Pferd und der Reiter, ein wiederkehrendes Motiv in Marinis Schaffen, fungieren hier eher als symbolische Protagonisten denn als wörtliche Motive. Wie der Künstler selbst bemerkte: „Meine Reiterfiguren sind Symbole für die Angst, die ich empfinde, wenn ich die aktuellen Ereignisse betrachte.“ Dieses Gefühl der Unruhe ist in den zerbrochenen Formen und unausgewogenen Posen, die die Komposition beleben, deutlich spürbar.
Marini, der vor allem als einer der großen Bildhauer des 20. Jahrhunderts bekannt ist, demonstriert in dieser Serie seine Meisterschaft in der Druckgrafik als Ausdrucksmittel. Die Kombination der tonalen Tiefe der Aquatinta mit malerischen Tempera-Applikationen ermöglicht sowohl strukturelle Klarheit als auch emotionale Unmittelbarkeit. Marino from Shakespeare I ist ein überzeugendes Beispiel für Marinis spätes grafisches Werk, in dem er sein bildhauerisches Vokabular in eine lebendige, moderne Meditation über die conditio humana übersetzt.

